Vereinschronik der GSV


Gesang- und SportVereinigung Hemmingen e.V.

1908  trafen sich turnbegeisterte junge Hemminger Männer im Geiste des Turnvaters Jahn. Es konnte wohl keiner ahnen, welche Entwicklung die Sportbewegung im nächsten Jahrhundert nehmen würde. Die Basis für unseren heutigen Großverein wurde aber schon zu dieser Zeit gelegt.

Die Anfänge waren bescheiden und mit den heutigen Anforderungen für einen geordneten Übungsbetrieb nicht vergleichbar. Im Freien übten die bewegungshungrigen jungen Männer der Jahrgänge 1880 bis 1886. Als „Turnplatz“ diente den Sportlern eine Wiese am damaligen Ortsrand. Heute steht auf diesem Platz das Geschäft „der Laden“ von Frau  Raasch.

Eine Jugendarbeit, wie wir sie heute kennen, wurde noch nicht angeboten. Dennoch ließen sich einige Jungs von der Turnbewegung mitreißen, sodass bereits zu dieser Zeit eine Übungsstunde für Buben ab 13 Jahren abgehalten wurde. Geleitet wurde das „Zöglingsturnen“ von Traugott Pfeiffer und Albert Würth.

Einen Vereinsvorsitzenden gab es noch nicht. Die Vereinsversammlungen fanden im Gasthaus  „Zum Hirsch“ statt. Im Garten dieser Lokalität in der Hirschstraße feierte man auch etliche Turnfeste.

Der erste Weltkrieg setzte den sportlichen Aktivitäten in Hemmingen ein jähes Ende.
Platzweihe 1920
Platzweihe 1920

Bei der ersten ordentlichen Generalversammlung wurde der erste Vereinsvorstand gewählt:  1. Vorsitzender Herr Hermann Dobler. Ihm stand Herr Emil Jetter als 2. Vorsitzender zur Seite. Gottlieb Dobler war Kassier, wurde aber kurz darauf von Paul Glaser abgelöst. Der weitere Ausschuss war besetzt: Unterkassier Erwin Fuchs; Schriftführer Hermann Huber; technischer Leiter und Turnwart Karl Stahl; Platzwart Oskar Bosch und Ballwart Erwin Rommel.
Nach Ende des Krieges schlossen sich wieder einige Sportler zusammen, und trafen sich auf einer Wiese beim Kaiserdenkmal, um Fußball zu spielen. Für einen  ordnungsmäßigen Spielbetrieb war es nunmehr erforderlich einen  Verein zu gründen. Sowohl die Hemminger Turner als auch die Fußballer beteiligten sich an der Gründung des Sportvereins Hemmingen. Im Februar 1920 wurde er im „Gasthaus Löwen“ in der Hochdorfer Straße aus der Taufe gehoben.

Das erste Fußballspiel unter der Fahne des Sportvereins Hemmingen trug man auf der langen Wiese am Seedamm gegen eine Schwieberdinger Mannschaft aus.

Auch verstanden die Hemminger schon zu dieser Zeit, Feste zu feiern. So fand im Rahmen des 1. Sommerfestes am 27. August 1920 ein Fußballspiel gegen Eglosheim statt.

Festumzug 1925
Festumzug 1925

Um für die Zusammenkünfte, Versammlungen und natürlich die Feiern eine Heimat zu haben, entschloss  man sich im Jahre 1928 die Werkskantine der Firma Haushahn käuflich  zu erwerben.
Ein Lastwagen wurde organisiert, das neue Vereinsheim nach Hemmingen transportiert und neben dem Sportplatz aufgestellt. Die Einweihung wurde am 19.08.1928 mit einem Fußballspiel gefeiert.

Sportplatz 1928
Fußballspiel anlässlich der Einweihung des neuen Vereinsheims 1928
Im Jahre 1930 konnte der Hemminger Sportverein das für die damalige Zeit bedeutende Fest der Fahnenweihe begehen.

Vereinsheim 1928
Vereinsheim um 1928

Der nun schon stark aufgeblühte und etablierte Turn- und Spielbetrieb fiel 1933 den politischen Verhältnissen zum Opfer. Erst ab 1936 konnte den Mitgliedern wieder ein regelmäßiger Übungs- und Spielbetrieb geboten werden. In den letzten Kriegsjahren musste  er allerdings  wieder eingestellt werden.
Nach Ende des Krieges begann 1945 eine neue Ära. In dieser legten die Verantwortlichen einen weiteren Grundstein als Basis für unseren Verein durch eine intensive Vereinsarbeit.

Erwähnenswert ist der Zusammenschluss des Hemminger Gesangvereins und des Sportvereins, durch Anordnung der Alliierten,  zur Gesang- und Sportvereinigung Hemmingen, wie wir uns heute noch nennen.

In den Nachkriegsjahren erlangte das Vereinsleben in unserer Dorfgemeinschaft einen sehr hohen Stellenwert. Zum einen brachten die Kommunikation im Verein, die Spiele sowie der Übungsbetrieb Ausgleich und Ablenkung vom tristen Alltag. Die Menschen konnten für ein paar Stunden ihre Not und die Sorgen vergessen. Andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung  waren kaum vorhanden. So waren die Fußballspiele sehr gut besucht: die Zuschauerzahlen lagen bei ca. 250 bis 400 pro Spiel.
Bereits 1950 wurden Kontakte zum FC Migros Zürich geknüpft. Ein Völker verbindendes Freundschaftsspiel fand anlässlich des Besuchs der Schweizer Kicker statt noch bevor das erste Länderspiel der Nachkriegszeit ausgetragen wurde.

In den Fünfziger Jahren konnten sportliche Erfolge verzeichnet werden. So stieg die Fußballmannschaft 1953 in die B Klasse auf. Neun Jahre später – 1962 – schaffte das Team der GSV den Sprung in die A-Klasse. Leider stiegen die Kicker in schwarz rot bereits nach zwei Jahren wieder ab. Weiterhin pflegte man Verbindung mit namhaften Mannschaften des In- und Auslandes. Neben Pokalturnieren trug man auch etliche Repräsentativspiele mit namhaften Mannschaften wie den Stuttgarter Kickers und dem VfB Stuttgart aus.
Festumzug 1952
Festumzug 1952
Höhepunkt im Vereinsleben waren immer die Jahresabschlussfeiern mit Gesang- und Theaterdarbietungen sowie sportliche Attraktionen der eigenen Mitglieder, in späteren Jahren wurde diese Veranstaltung zeitlich in den November gelegt und Herbstfeier genannt.
Festumzug 1962
Festumzug 1962

Das Angebot konnte 1969 durch den glücklichen Umstand, dass die Hemminger Schule eine ausgebildete Sportlehrerin erhielt, vergrößert werden. Frau Renate Pflüger  konnte für die Vereinsarbeit gewonnen werden, das Kinderturnen startete erfolgreich.  Die Basis für die neue Turnabteilung war gelegt.
Als 1964 die Tischtennisabteilung gegründet wurde, konnte das Sportangebot für die Hemminger erweitert werden. Es fand ein regelmäßiger Übungs- und Spielbetrieb für Männer, Frauen und Schülermannschaften statt. Erstmals konnten sich Frauen und Mädchen in der GSV sportlich betätigen.

Festdamen 1962Festdamen 1962
Um der größeren Nachfrage nach einem sportlichen Angebot Rechnung tragen zu können, wurden 1970 die Abteilung Frauengymnastik gegründet. Dieses Angebot wurde mit großer Begeisterung angenommen. Bald war die Nachfrage so stark, dass mehre Übungsgruppen entstanden. Dies war der Beginn der heutigen Abteilung Gymnastik.
Rasenplatz
Rasenplatz

In den 70iger Jahren stieg die Bevölkerung Hemmingens sprunghaft an. Durch entsprechende Nachfrage an unterschiedlichen Sportarten entwickelte sich unser Verein immer mehr zu dem Großverein, wie wir ihn heute kennen.
Das moderne Sport- und Freizeitgelände an der Eberdingerstraße wurde in enger Zusammenarbeit mit den amtierenden Bürgermeistern der Verwaltung und den jeweiligen Gemeinderäten von der Gemeinde geschaffen. Es beinhaltet einen Hartplatzes, einen Rasenplatz, 6 Tennisplätze, ein Kleinspielfeldes mit Kunststoffbelag und 2 dreiteilbaren Sporthallen.

Kleinspielfeld mit Kunststoffbelag
Kleinspielfeld mit Kunststoffbelag
Damit die GSV eine Heimat erhält, beschloss 1971 eine außerordentliche Generalversammlung den Bau des Clubhauses. Tausende Arbeitsstunden vieler ehrenamtlicher Helfer waren erforderlich, etliche Schwierigkeiten galt es zu überwinden, bis endlich am 09.11.1973 die feierliche Einweihung mit der Schlüsselübergabe stattfinden konnte.

Vereinsheim bis 2000
Vereinsheim bis 2000

Die Lebensumstände der Menschen änderten sich grundlegend, unter anderem durch mehr sitzende Tätigkeit und weniger Bewegung. Dadurch wurde der Sport immer mehr als Ausgleich für den Alltag genutzt.
Die GSV Hemmingen reagierte darauf  und gründete  im April 1972 die Abteilung Sport und Spiel.

Um den Bedürfnissen und Wünschen der neuen Hemminger Bürger Rechnung zu tragen erfolgt 1975 die Gründung der Tennisabteilung.
Als Novum gilt die gemeinsame Schwimmabteilung mit dem TSV Schwieberdingen.
Die Zusammenarbeit vereinsübergreifend funktioniert bestens.
Nach der Fertigstellung der Sporthalle im Jahr 1977 wurden die räumlichen Voraussetzungen für die Gründung der  Handballabteilung geschaffen. Auch hier waren die Anfänge bescheiden, denn zunächst bestand die Abteilung aus einer Jugendmannschaft. Im Laufe der Jahre gelang es durch vorbildliche Jugendarbeit, den Spielbetrieb zu erweitern.

Mit der Gründung der Abteilung Badminton im Jahre 1978 wurde das Sportangebot der GSV Hemmingen nochmals erweitert.

Seit 1980 führt der Verein in Kooperation mit der Hemminger Schule Projekte und Arbeitsgemeinschaften erfolgreich durch.
Das vielfältige Angebot unseres Vereins konnte ein weiteres Mal im Jahre 1981 erweitert werden, denn auf Wunsch vieler Sportfreunde gründete man die Abteilung Schach.

Die schon lange bestehende Theatergruppe wurde 1991 als Abteilung in die GSV  aufgenommen. Die Gruppe ist über die Grenzen Hemmingens hinaus unter dem Namen „d’Kuaschwänz“ bekannt. Erwähnenswert sind die jährlichen stattfindenden Theaterabende, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Unser sportliches Angebot rundet seit ihrer Gründung im September  1993 die Abteilung Tanz ab.
Das sportliche Betätigungsfeld in unserem Verein, bietet somit für die gesamte Hemminger Bevölkerung ein reichhaltiges Angebot.
Vereinsheim 2002
Vereinsheim ab 2002
Das in die Jahre gekommene Flachdach des Vereinsheimes wurde in den Jahren 1997 – 2000 saniert und durch das heutige Satteldach ersetzt.

Damit unser Verein auch in Zukunft  attraktiv bleibt und bedingt durch diverse Pächterwechsel wurden Umbauten und Erneuerungen in der Küche und in den verschiedenen Gasträumen des Vereinsheimes notwendig. Als letzte größere Baumassnahme ist hier nur die Auswechslung der Fenster und die Sanierung der Dusch und Umkleideräume im Jahr 2007 genannt.
Bereits im Jahr 2001 wurde die Heizungsanlage von Öl auf Gas umgestellt.
Alle diese Baumassnahmen wurden hauptsächlich an örtliche Handwerker vergeben.
Die immensen Kosten konnten nur durch tatkräftige ehrenamtliche, also kostenlose, Mithilfe einiger Vereinsmitglieder in überschaubaren Grenzen gehalten werden.

Ein Grossteil unserer Mitglieder ist sich gar nicht bewusst, welche riesigen finanziellen Einsparungen durch die Tätigkeiten, dieser leider viel zu wenigen Individualisten, dem Verein zugute kamen.
Viele Mitglieder sehen nicht über den Rand ihrer jeweiligen Abteilung hinaus und wollen nicht wahrhaben, dass die Vorraussetzung für ihre sportliche Betätigung, in einem Gremien des gesamten Vereines geschaffen werden.
Sehr schade ist, dass für verantwortungsvolle Mitarbeit in dieser übergeordneten Organisation kaum großes Interesse besteht.
Durch seine Größe mit knapp 2000 Mitgliedern ist der Verein verwaltungsmäßig wie ein mittleres Unternehmen zu führen.
Die Mitgliederstatistik, Aus- und Eintritte, sowie Abrechnungen und Steuerabgaben der zwölf verschieden Abteilungen waren durch Handarbeit nicht mehr zu bewältigen. Aus diesem Grund wurde beschlossen eine Geschäftsstelle mit den erforderlichen technischen Hilfsmitteln zu installieren. Sie wurde im November 2000 im so genannten Vereinszimmer im Sportheim eröffnet.

Werner Fuchs 2008
Ehrenurkunde für Werner Fuchs 2008
Jugendraum 2008
Jugendraum 2008

Nach 31 Jahren als 1. Vorsitzender beendete Herr Werner Fuchs im Jahr 2000 seine Tätigkeit in unserem Verein und wurde von der Generalversammlung zum ersten Ehrenvorsitzenden gewählt.
Für seine grossen Verdienste in der GSV, in der Gemeinde sowie in seiner Arbeitsstätte  wurde er bereits 1996 mit dem grossen Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Die Bürgermedaille der Gemeinde Hemmingen wurde ihm im Jahre 2004 verliehen.
Mit grossem Erfolg wurden auf unserem Sportgelände in den Jahren 1976, 1998 und 2005 Gaukinderturnfeste des Turngaues Neckar-Enz, an denen jeweils über 1500 Kinder und Jugendliche teilnahmen, ausgerichtet.
Die Generalversammlung im Jahr 2004 fasste den Beschluss, bei der Gemeinde den Antrag zum Bau eines Kunstrasenspielfeldes, anstelle des in die Jahre gekommenen und heute bei weitem nicht mehr zeitgemässen Hartplatzes, zu stellen.

Mitte des Jahres 2007 entschlossen sich die Verwaltung und der Gemeindrat, mit einer allerdings erheblichen Kostenbeteiligung der GSV, dieses Vorhaben zu genehmigen.
Kunstrasenplatz 2008
Kunstrasenplatz 2008
Fallschirmsprung 2008
Rechtzeitig zum Beginn des hundertjährigen Jubiläums des Vereines im Juli 2008 konnte das neue Kunstrasenspielfeld mit einem Fussballspiel zwischen Vereinsvertretern und der Gemeindeverwaltung eingeweiht werden.
Ein weiterer Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten war ein Fallschirmabsprung von Eberhard Gienger.

Auf die Südseite des Satteldaches unseres Sportheimes wurde im Jahr 2009 eine 25kwp Photovoltaikanlage montiert und am 08.05. in Betrieb genommen.

Wir sind stolz, dass fast jeder „4. Hemminger“ Mitglied in unserem Verein ist und sich bei uns sehr wohl fühlt.

Erich Ruf